KI im Familienalltag: Unsichtbar, aber überall

Seit zwei Jahren ist der Begriff „KI“ aus den Gesprächsrunden im Freundes- und Bekanntenkreis gar nicht mehr wegzudenken. Jeder macht irgendwie irgendwas mit KI. Jeder weiß irgendwie etwas über KI. Aber die wenigsten nutzen den Begriff „KI“ für all das, was davon erfasst wird. Und mit der Veröffentlichung von ChatGPT, der einfachen Erstellung von Actionfigur-Bildern und der Integration von Copilot in die Microsoft-Anwendungen scheint KI wirklich überall angekommen zu sein. Selbst Canva, eines meiner Lieblings-Bilderstellungstools, setzt jetzt voll auf KI und hat sich zur KI-Suite weiterentwickelt.

Zeit für eine kleine Begriffsdefinition, denn wenn jeder jetzt „KI macht“, „KI nutzt“ oder „KI für Teufelszeug“ hält, lohnt es sich mal darüber zu sprechen, was KI ist.

An alle Mathematiker:innen, Informatiker:innen, Physiker:innen und Hobby-Techies: Dieser Beitrag ist nicht für euch 😉

Und deswegen starten wir hier auch nicht mit einem technischen Beispiel oder irgendwelchen technischen Fachbegriffen. Wir starten mit einem Apfelkuchen-Vergleich. Warum? Weil ich einfach richtig gerne Technik mit Essen vergleiche, vorzugsweise mit Backwaren. Und der Vergleich geht in etwa so: Wer ChatGPT, oder alternativ Gemini, LeChat oder Claude, einfach nur als KI bezeichnet oder denkt, dass ist „DIE KI“, für den ist sämtlicher Kuchen auch Apfelkuchen mit Rosinen, im Backshop um die Ecke gekauft und mundfertig mit Gabel serviert.

Ich liebe richtig guten Apfelkuchen und daher weiß ich, dass es nicht nur eine Art von Apfelkuchen gibt. Und das es einen Unterschied macht, ob ich ihn selber von der Pike auf backe oder doch einfach nur das Konsumenten-fertige Endprodukt kaufe und direkt im Backladen verspeise.

Und dieser Vergleich bringt mich zurück zu: Was ist das eigentlich, diese KI?

KI in keinem sehr vereinfachten Merksatz

Im Wesentlichen – und eine große Entschuldigung an die Leute, für die der Artikel eben nicht ist – ist KI eine Software, die aus den ihr verfügbaren Daten, Informationen ziehen kann, diese verarbeitet und dann zum Beispiel auf Basis der gezogenen Schlüsse auch Entscheidungen treffen kann. Sie imitiert menschliches Denken und Verhalten. Und auch wenn die Ausgaben menschlich wirken können, handelt es sich um eine maschinelle Verarbeitung von Daten. Wobei wir wieder beim Apfelkuchen-Beispiel wären. Denn KI im Vergleich zum menschlichen Verstand ist so ein bisschen wie der Vergleich zwischen Ommas selbstgemachten Apfelkuchen und dem seriellen Konsumentenprodukt irgendeiner Bäckerei-Kette. Die Bäckerei-Kette versucht sich am Original, kommt aber aktuell noch nicht ran. Und so ist es aktuell auch bei der KI: kein menschliches Wesen denkt hier, sondern eine Maschine nutzt Daten, um Muster zu erkennen und daraus Ableitungen zu treffen, und in einigen Fällen diese Ableitung dann so „auszugeben“, dass es wie eine menschliche Antwort wirkt. Raucht der Kopf schon? Kurzfassung: Egal, wie menschlich ein Chatbot wie ChatGPT mit dir spricht, auf der anderen Seite ist leider nur ein Zahlenpool aus Nullen und Einsen.

Chattest du noch oder browst du schon?

Meine Obsession mit Kuchen und Bäckerei-Ketten kommt in diesem Beitrag nicht ohne Grund. Während das Teilgebiet der Informatik schon lange, lange, lange existiert – selbst ich habe schon in meinem Psychologie-Studium von neuronalen Netzwerken und künstlicher Intelligenz gehört und das war 2009 – scheint für die breite Masse KI erst seit dem kometenhaften Aufstieg von ChatGPT vor zwei Jahren künstliche Intelligenz erst seit diesem Zeitpunkt Einzug in unser Zuhause gefunden zu haben. Aber: das ist ein Trugschluss. Denn schon der Algorithmus, der dir deine Suchergebnisse in der Google-Suche kuratiert, ist schwer KI-gesteuert.

Konsumenten-Tools: Generative KI für den Hausgebrauch

Seit 2023 schleicht sich eine App auf immer mehr Handys: ChatGPT. Und eine ganze Generation von Schülern jubelt: Endlich keine Hausaufgaben mehr selbst machen. Viele Eltern in meinem Umfeld sehen die Anwendung eher kritisch: Das Teil halluziniert doch nur. Und da ist das Ding: KI ist in unserem Familienheiligtum angekommen. Warum das nicht so ist, dazu komme ich später noch mal. Eine Sache, die mir an dieser Stelle total wichtig ist: Bei ChatGPT handelt es sich zum einen um eine generative KI-Anwendung und zum anderen um eine Anwendung, die ganz bewusst für den sogenannten Konsumentenmarkt entwickelt worden ist. Generative KI ist das, was die Eltern schon auch zum Verzweifeln bringt: diese Art von KI soll generieren, Neues schaffen, indem sie Bekanntes neu kombiniert, kreativ sein. Da sind Fakten mehr so ein Nebenprodukt. Der Fokus auf uns als Konsumenten sorgt dafür, dass die Nutzung der App, und vieler weiterer KI-Apps, maximal einfach ist. Kein langes Suchen, kein großes Rumraten, ChatGPT ist ein Chatbot mit Chatfenster, menschliche Sprache als Eingabe ist okay, endlich braucht niemand mehr wie ein Programmierer zu denken.

ChatGPT ist aber nicht DIE KI. Es ist eine Anwendung, die KI für die Erstellung von Antworten nutzt. Und es ist nur eine Art von KI. Da gibt es noch mehr.

„Wir nutzen zu Hause keine KI“

Wir essen zu Hause auch keinen Zucker. Nur Honig, Ahornsirup und überall sind Datteln mit fettem Fruchtzucker drin. Moment, warum sind wir jetzt wieder beim Essen, wenn wir doch vorher noch über ChatGPT als Anwendungen für so Durchschnittsmenschen wie mich, die Autorin, gesprochen haben? Weil ich super häufig erlebe, dass für viele Menschen KI nur vorkommt, wenn es in Gemini, ChatGPT oder Copilot oder ein App mit dem funky Namen „AllKI“ genutzt wird.

Und das ist etwa so wie, auf Haushaltszucker verzichten, aber Zuckeralternativen en masse zu sich nehmen. Denn: KI ist heutzutage in viel mehr Dingen drin, als uns das bewusst ist. Amazons Vorschlagliste für Produkte, die unbedingt JETZT gekauft werden müssen? Da hat jemand, der nicht menschlich ist, sondern sehr maschinell, dein Einkaufsverhalten, deine Lebenswelt (Handytyp, Ort, Ausgabeverhalten usw.) analysiert und dann daraus Vorschläge entwickelt, wo du am besten dein nächstes Geld ausgeben kannst. Deine Spotify-Playlist? Eine gelungene Mischung aus deinen musikalischen Vorlieben und dem Vertriebsdruck der Plattenlabel. Andere Beispiele sind Fotoveränderungs- oder Verbesserungsapps. Lightroom läuft heute gefühlt auf KI-Steroiden und macht selbst aus einem müden Ich eine strahlende Prinzessin. Die beste Route um direkt zu deinem Lieblingsitaliener im Feierabend-Verkehr zu fahren? Mit der Power der KI und unzählbaren Datenpunkten ausgerechnet, individuell nur für dich. Und auch im Hintergrund hilft die KI dein Leben sicherer zu gestalten, zum Beispiel in Form von Spamfiltern im E-Mail-Postfach oder routinierte Betrugsscans bei Banken. Und die Liste lässt sich fortsetzen.

Unspektakulär, aber da: KI im Familienalltag

Wenn also das nächste Mal jemand sagt, dass er oder sie keine KI nutzt, kannst du einfach lässig sagen „Aber sicher doch“. Denn schon vor ChatGPT hatte KI einen starken Einfluss auf unser Leben. Und uns ist häufig gar nicht bewusst, wie stark wir die KI schon nutzen oder auf sie angewiesen sind. Mit Tools wie ChatGPT oder auch Dall-E, Sora usw. ist nur eine bestimmte Art der KI viel stärker in den Vordergrund gerückt. Und das auf eine Art und Weise, die uns von passiven Nutzern zu Gestaltern werden lassen kann.

Und wenn du wissen willst wie: schreib eine mail an contact@bychristinaharms.com und wir erobern gemeinsam Tools wie ChatGPT, Perplexity, Gemini und mehr.

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